21.03.2024
Die Geschichte des Biounternehmen Vorwerk Podemus ist ein Markenzeichen für tiefe Verbundenheit zur Landwirtschaft und der Region in Ostsachsen. Das Unternehmen setzt trotz der Widerstände, Maßstäbe für nachhaltige Landwirtschaft, regionaler Vermarktung und bietet als Ausbildungsort vielseitige berufliche Orientierungen an. Die Marke Podemus wurde von der Familie Probst, nach der Wende wieder aufgebaut. Landwirt Bernhard Probst hat die Marke Podemus von seinem Vater Manfred Probst übernommen. In einem Interview teilte mir Bernhard die bewegende Geschichte der Familie Probst und dem Vorwerk Podemus mit. Durch das Gespräch erfuhr ich, wie schön aber auch skurril Landwirtschaft sein kann.
Podemus, das ist ein Ortsteil im Westen von Dresden mit romantischem Blick auf das Elbtal. Das Vorwerk selbst ist ein denkmalgeschützter Vierseitenhof und wirkt auf dem ersten Blick wie ein Bilderbuchhof mit Feldwirtschaft, Hofmarkt, Tieren, Molkerei und Obstbau. Beim genaueren betrachten wird schnell klar, dass es sich hier um einen professionellem Betrieb handelt, der nach ökologischen Richtlinien wirtschaftet. Aber Landwirt Bernhard Probst sagt selbst: „80% meiner Zeit bin ich im Büro“
Das überrascht mich, weil Bernhard ein bekannter und charismatischer Landwirt ist, aber kein Bürohengst.
Als Vorwerk werden Höfe einer Burg bezeichnet und Podemus gehörte im 13 Jahrhundert noch zum Bistum Meißen, in einer Zeit, wo Dresden selbst noch in der Entstehung war und noch kein Stadtrecht besaß. Die Familie Probst kam aber erst viel später nach Podemus und übernahm im Jahre 1900 durch Heirat den Besitz des Hofes.
Der Zweite Weltkrieg und die DDR im Anschluss brachte für das Leben auf Vorwerk Podemus einen gewalttätigen Einschnitt. Während des Zweiten Weltkriegs lag die Arbeit auf dem Vorwerk fast allein in den Händen der Frauen, die im Dorf geblieben waren. Nur einige Männer aus Schlesien und dem Sudetenland halfen noch mit.
Nach dem Krieg kämpfte die Familie Probst weiter um ihren Hof: Trotz der hohen Abgaben, die Großbauern ab 1953 leisten mussten, hielten sie an der Eigenbewirtschaftung fest. Doch mit der Zwangskollektivierung 1960 war Schluss – die Familie floh in den Westen Deutschlands. Sie erlebten, wie durch Enteignung und Zwangskollektivierung in der DDR bäuerliche Betriebe ab 100 Hektar einfach „verschwanden“ und in große Kollektivstrukturen überführt wurden. Die kleinteilige Kulturlandschaft wurde zerstört: Hecken und Obstbäumen wurden entfernt und in riesige Ackerflächen umgestaltet. Heute im 21 Jahrhundert, sind diese Eingriffe unter anderem ein Grund für die Dürren im Osten.
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat ein empfehlenswertes Interview mit Dr. Probst veröffentlicht. Darin können die Zuschauerinnen, die Erlebnisse mitfühlen.
Link Interview Zeitzeugenbüro mit Dr. Mandred Probst: https://www.zeitzeugenbuero.de/zeitzeugensuche/zeitzeuge/probst-manfred
Bis 1992 bewirtschaftete die LPG „Karl Marx“ das Vorwerk. Nach dem Ende der DDR wurden die Enteignungen auf Antrag rückgängig gemacht. So erhielt der Vater von Dr. Probst den Hof und die landwirtschaftlichen Flächen in Podemus wieder zurück. Ab 1992 kehrte Dr. Manfred Probst mit seiner Frau Dr. Gabriele Probst auf den Hof zurück und die Familie begann mit dem Wiederaufbau. Jedoch war die Rückgabe mit hohen Kosten Verbunden. Dr. Probst urteilte dazu: „So haben wir im gewissen Sinne den Betrieb zurückgekauft“. Der Lastenausgleich und das Inventar mussten bezahlt werden, zudem wurden die Schäden an den Gebäuden auf drei Millionen DM geschätzt. Umgerechnet und Kaufkraftbereinigt würden das heute rund 3 Millionen Euro sein. Das zeigt das enorme Opfer, dass die Familie für die Rückkehr aufbringen musste. Zudem kam es durch den Autobahnbau zu einem großen Flächenverlust. Trotz dieser enormen Schwierigkeiten entstand erneut ein vielseitiger Ökobetrieb.
The story of the organic enterprise Vorwerk Podemus stands as a hallmark of deep commitment to agriculture and to the region of eastern Saxony. Despite numerous obstacles, the farm has set benchmarks for sustainable farming and local marketing, while also offering a wide range of career opportunities as a training site. The Podemus brand was rebuilt by the Probst family after German reunification. Farmer Bernhard Probst took over the Podemus brand from his father, Manfred Probst. In an interview, Bernhard shared the moving history of the Probst family and Vorwerk Podemus. Our conversation revealed just how beautiful—and at times how quirky—agriculture can be.
Podemus is a district in western Dresden with a romantic view over the Elbe valley. The Vorwerk itself is a listed four-sided courtyard and, at first glance, looks like a picture-book farm with arable fields, a farm shop, animals, a dairy, and fruit growing. On closer inspection, however, it quickly becomes clear that this is a professional operation working to organic standards. Yet farmer Bernhard Probst himself says: “I spend 80% of my time in the office.”
That comes as a surprise, because Bernhard is a well-known and charismatic farmer—not an office worker.
“Vorwerk” refers to outlying farmsteads belonging to a castle, and in the 13th century Podemus still belonged to the Bishopric of Meissen, at a time when Dresden itself was still emerging and did not yet have town rights. The Probst family arrived in Podemus much later, taking ownership of the farm through marriage in 1900.
The Second World War and the subsequent GDR era brought a violent rupture to life at Vorwerk Podemus. During the war, almost all the work on the farmstead fell to the women who had remained in the village. Only a few men from Silesia and the Sudetenland were still able to help.
After the war, the Probst family continued to fight for their farm: despite the heavy levies imposed on larger farms from 1953 onward, they held on to independent management. But forced collectivization in 1960 put an end to that—the family fled to West Germany. They witnessed how, through expropriation and forced collectivization in the GDR, peasant farms of 100 hectares or more simply “disappeared” and were absorbed into large collective structures. The small-scale cultural landscape was destroyed: hedges and fruit trees were removed and transformed into vast arable fields. Today, in the 21st century, these interventions are among the reasons for droughts in the east.
The Federal Foundation for the Study of the Communist Dictatorship in Eastern Germany has published a recommended interview with Dr. Probst, in which viewers can empathize with these experiences.
Link to the Time Witness Office interview with Dr. Manfred Probst: https://www.zeitzeugenbuero.de/zeitzeugensuche/zeitzeuge/probst-manfred
Until 1992, the agricultural cooperative LPG “Karl Marx” managed the Vorwerk. After the end of the GDR, expropriations were reversed upon application. In this way, Dr. Probst’s father regained the farmstead and the agricultural land in Podemus. From 1992 onward, Dr. Manfred Probst returned to the farm with his wife, Dr. Gabriele Probst, and the family began rebuilding. However, the restitution came with high costs. As Dr. Probst put it: “In a certain sense, we bought the farm back.” Compensation payments and inventory had to be paid for, and damage to the buildings was estimated at three million Deutsche Marks. Adjusted for inflation and purchasing power, that would be around 3 million euros today. This illustrates the enormous sacrifice the family had to make to return. In addition, motorway construction led to a major loss of land. Despite these immense difficulties, a diverse organic farm has once again emerged.
Ausbildung, Ökolandbau und Agrarpolitik
Herkunft und Ausbildung
In der Schule war ich kein besonders guter Schüler. In meiner Ausbildung wurde ich jedoch Landesbester – wobei die Konkurrenz damals überschaubar war. Mein Lieblingsfach in der Ausbildung war die Rinderhaltung, außerdem interessierte mich Gemeinschaftskunde. Rinder fand ich spannender als Schweine, weil die Wechselwirkungen innerhalb der Haltung vielfältiger sind. Schweinehaltung erschien mir im Vergleich weniger anspruchsvoll, wenn es im Wesentlichen um Mast geht.
Ich habe eine klassische landwirtschaftliche Ausbildung absolviert und halte das auch für Ökolandwirte für wichtig. Wer ökologisch wirtschaftet, sollte dieselben handwerklichen Grundlagen beherrschen wie ein konventioneller Landwirt. Viele ökologische Betriebe scheitern nicht an ihren Idealen, sondern an fehlendem praktischen können.
Außerdem muss man die Arbeitsweise und die Probleme konventioneller Kolleginnen und Kollegen verstehen. Wer sich nicht in ihre Situation hineinversetzen kann, bleibt fachlich und gesellschaftlich ein Außenseiter.
Konventionelle und ökologische Landwirtschaft
Konventioneller Ackerbau folgt häufig wiederkehrenden Abläufen. Wer Raps, Weizen und Gerste nach einem festen Schema anbaut, kann viele Entscheidungen standardisieren und sich bei Pflanzenschutzfragen beraten lassen. Das erfordert durchaus Disziplin, eine gute Arbeitsorganisation und genaue Zeitplanung. Agronomisch ist es jedoch weniger komplex, weil die Abläufe weitgehend planbar sind.
Im Ökolandbau funktioniert das anders. Disteln oder Quecken lassen sich nicht einfach mit einem Mittel beseitigen, sondern müssen über die Fruchtfolge und die Bewirtschaftung strategisch zurückgedrängt werden. Wer einen queckenfreien Acker erreichen will, muss oft schon mehrere Jahre vorher die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Dabei lässt sich nicht alles kontrollieren: Pflanzen folgen ihren eigenen biologischen Gesetzmäßigkeiten und versuchen, sich auszubreiten und zu vermehren.
Viele Landwirte sind aus fachlichem Interesse in den Ökolandbau gewechselt. Sie suchten eine anspruchsvollere Aufgabe und beschäftigen sich intensiv mit den Zusammenhängen. Diese Betriebe sind häufig langfristig erfolgreicher und zufriedener. Schwieriger wird es, wenn jemand nur deshalb umstellt, weil kein Geld für Dünger vorhanden ist. Auch im Ökolandbau müssen Nährstoffe wie Kalk oder Kali gezielt ausgeglichen werden.
Kritik an Pflanzenschutz und Gentechnik
Die Diskussion um gentechnisch veränderte Pflanzen betrifft vor allem Länder wie Kanada. Beim Raps haben sich dort Resistenzen gegen bestimmte Herbizide entwickelt, weil sich verwandte Kreuzblütler untereinander einkreuzen können. Dadurch lassen sich manche Unkräuter mit den bisher eingesetzten Mitteln nicht mehr ausreichend bekämpfen.
Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Ländern außerhalb Europas ist problematisch. Stoffe, die in Europa verboten sind, werden zum Beispiel in Brasilien weiterhin eingesetzt, obwohl die gesundheitlichen Folgen für Menschen vor Ort teilweise gravierend sind. Über importierte Futtermittel wie Soja gelangen die Auswirkungen unseres Konsums indirekt nach Europa zurück.
Umstellung auf Ökolandbau
In Sachsen wird die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft heute mit Prämien und Beratungsangeboten unterstützt. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, sollte aber differenziert betrachtet werden. Während der Umstellungsphase können die Produkte häufig noch nicht als anerkannte Ökoware vermarktet werden und erzielen deshalb niedrigere Preise. Gleichzeitig bleiben die Produktionskosten bestehen. Die Umstellung muss daher sorgfältig geplant werden, damit der Betrieb und die Familie diese Übergangszeit wirtschaftlich übersteht.
Die Förderung in Sachsen ist vergleichsweise umfangreich. Ob eine Beratung wirklich hilfreich ist, zeigt sich allerdings erst in der Praxis. Manche Konzepte entstehen in Zusammenarbeit mit Universitäten und sind unter realen Bedingungen nur schwer umsetzbar. So wurden etwa für die geplante Einhausung eines Schweinestalls Kosten angesetzt, die aus meiner Sicht nicht im Verhältnis zum praktischen Nutzen stehen. Beratung sollte Verbesserungen ermöglichen und nicht nur zusätzliche Büroarbeit und Ausgaben verursachen.
Tierhaltung und Seuchenschutz
Eine vollständig geschlossene Einhausung des Schweinestalls halte ich zudem für problematisch, weil sie dem Ziel einer offenen Landwirtschaft widerspricht. Hintergrund ist die Sorge, dass Besucherinnen und Besucher die Schweine berühren könnten. Aus seuchenrechtlicher Sicht wird darin ein erhebliches Risiko gesehen.
Natürlich ist die Afrikanische Schweinepest gefährlich. Ein Kadaver kann auch Monate später noch infektiös sein. Trotzdem sollte man die Risiken differenziert betrachten. Ein Jagdtourist, der zuvor in Osteuropa unterwegs war und Erreger an der Schuhsohle mitbringt, kann ein deutlich höheres Risiko darstellen als eine Familie aus der Stadt, die einen Hof besucht.
Das eigentliche Problem liegt auch in den politischen und wirtschaftlichen Strukturen der Schweinehaltung. Deutschland möchte als schweinepestfrei gelten, um weiterhin Fleisch exportieren zu können. Dafür werden Regeln geschaffen, die den direkten Kontakt zwischen Menschen und Tieren zunehmend erschweren.
Förderpolitik und Biodiversität
Die Agrarförderung sollte sich stärker an der tatsächlichen ökologischen Leistung eines Betriebes orientieren und weniger an der bewirtschafteten Fläche. Ein großes, rechtwinkliges und intensiv bewirtschaftetes Feld bietet Feldhamstern, Feldlerchen und Spatzen kaum Lebensraum. Ein Schäfer, der eine artenreiche Trockenrasenfläche auf der Schwäbischen Alb durch gezielte Beweidung erhält, leistet dagegen einen erheblichen Beitrag zum Naturschutz.
Deshalb wäre ein Punktesystem sinnvoll, das Biodiversität, Landschaftspflege und andere Agrarumweltleistungen honoriert. Entscheidend sollte nicht sein, wer die meiste Fläche besitzt, sondern wer auf seiner Fläche den größten gesellschaftlichen und ökologischen Nutzen schafft. Für die kommende EU-Förderperiode ab 2027 gibt es bereits entsprechende Reformüberlegungen. Das System sollte dabei zugleich deutlich einfacher werden.
Auch Stilllegungsprämien zeigen die Schwächen der derzeitigen Förderung. Wer große Flächen besitzt, kann unter Umständen über längere Zeit mehr Geld mit Stilllegung als mit Produktion verdienen. Das widerspricht meinem Verständnis vom Beruf: Landwirtschaft sollte Lebensmittel und andere Güter erzeugen, die für die Gesellschaft von Wert sind.
Beispiel aus der Region
In der Region arbeitet mein ehemaliger Lehrling Johann Franz heute selbstständig und führt den Betrieb ökologisch weiter. Wir stehen regelmäßig fachlich im Austausch. Nach seiner Ausbildung bei uns arbeitete er zunächst in einem konventionellen Betrieb und erlebte dort, wie wenig Rücksicht teilweise auf Boden und Natur genommen wurde. Diese Erfahrung bestärkte ihn in seiner Entscheidung für den Ökolandbau.
Ich rufe ihn gelegentlich an und spreche mit ihm über die Bewirtschaftung. Wenn ich auf seinem Hof etwas sehe, das man anders machen könnte, gebe ich ihm einen Hinweis. Ob er ihn übernimmt, entscheidet er selbst und sammelt seine eigenen Erfahrungen.
Büroarbeit und Arbeitsalltag
Ich versuche, auf etwa siebeneinhalb Stunden Schlaf zu kommen. Wenn ich mehrmals pro Woche nur drei oder vier Stunden schlafe, funktioniere ich nicht mehr. Abends noch im Büro zu sitzen, bringt ebenfalls wenig. E-Mails, die spät in der Nacht geschrieben werden, führen selten zu guten Ergebnissen.
Trotzdem verbringe ich inzwischen einen großen Teil meiner Arbeitszeit im Büro – etwa 80 Prozent. Das ist eine der widersprüchlichen Seiten des Berufs. Landwirtschaft bleibt für mich ein Traumberuf, weil ich unmittelbares Feedback für meine Arbeit bekomme. Wenn dieses positive Ergebnis fehlt, belastet mich das. Das Ziel einer beruflichen Entwicklung sollte deshalb nicht automatisch im Büro liegen.
Landwirtschaft ist in vielen Bereichen eine Form der Selbstausbeutung – sowohl in konventionellen als auch in ökologischen Betrieben. Viele verdienen kaum mehr als den Mindestlohn, während gleichzeitig immer mehr Höfe aufgeben. Der Beruf selbst hat weiterhin Zulauf und kann erfüllend sein. Doch weder der Bauernverband noch die Politik schützen die Betriebe ausreichend vor wirtschaftlichem Druck.
Landwirtschaft zwischen Wetter, Bewirtschaftung und Naturschutz
Ich bin kein Anthroposoph, aber ich schaue gelegentlich in den Mondkalender – etwa auf auf- und absteigenden Mond –, wenn es um das Ausbringen von Gülle geht. In der Praxis können wir uns danach jedoch nur selten richten. Wenn die Bedingungen passen, muss gefahren werden. Zeit ist in der Landwirtschaft ein entscheidender Kostenfaktor.
Vor zwei Wochen war der Boden auf den Feldern ungewöhnlich knetig – so nass, wie wir es seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hatten. Auf den ersten Weizenflächen, auf denen wir Mist ausbringen wollten, entstanden Fahrspuren, die nach den Grundsätzen guter fachlicher Praxis problematisch sind. Trotzdem stehen wir vor einem Dilemma: Irgendwann muss die Arbeit beginnen. Mit den schweren Maschinen können wir nicht auf jeden idealen Zeitpunkt warten. Besonders beim Ausbringen von Gülle ist das Gewicht erheblich; bei zu nassem Boden verdichten die Geräte die Fläche und fahren sie fest.
Veränderte Wetterbedingungen
1996 habe ich meine Ausbildung abgeschlossen. Damals waren die Bedingungen in der Landwirtschaft deutlich anders. Die Heuernte war oft schwierig, weil es von Mai bis Ende Juni oder sogar Juli nur wenige geeignete Trockentage gab. Gleichzeitig wuchsen die Wiesen so stark, dass wir mit dem ersten Schnitt kaum hinterherkamen. Das Gras stand teilweise schulterhoch und erinnerte an Elefantengras.
Seit einigen Jahren nutzen wir die Flächen überwiegend als Kurzrasenweide und bringen deutlich mehr Mist aus. Die trockeneren Jahre erleichtern inzwischen häufig die Ernte. Mein Großvater sagte immer: „Die trockenen Jahre sind die guten Jahre.“ Früher stimmte das tatsächlich, weil wir das Getreide dann pünktlich ernten konnten. In nassen Jahren wurde der Weizen dagegen bis in den September hinein sichtbar schlechter.
Auch der Erntestress hat sich verändert. Wenn heute mehrere trockene Tage angekündigt sind, muss ich nicht mehr jede Nacht bis spät mit dem Mähdrescher fahren. Früher war die Ernte oft ein ständiger Kampf gegen das Wetter. Damals war die Landschaft grüner und feuchter. Für die Getreideernte braucht man jedoch trockenes Wetter.
Dafür gibt es heute andere Probleme: Wir benötigen mehr Feldfutter, doch die Wiesen liefern nicht mehr zuverlässig drei oder vier gute Schnitte. Häufig ist der erste Schnitt noch ertragreich, während der zweite kaum etwas einbringt. Die Arbeit ist also nicht unbedingt ruhiger geworden – der Stress hat sich verändert.
Landwirtschaft in der DDR
Auch die Landwirtschaft in der DDR war nicht ausschließlich negativ. Zwar wurden die Flächen großflächig bewirtschaftet und viele Hecken entfernt. Gleichzeitig wurden hier Leguminosen angebaut und Mist ausgebracht. Heute ist die Bewirtschaftung anders: Es gibt immer weniger Rinderherden, und der Anteil der Leguminosen ist in Sachsen stark zurückgegangen. Das erschwert eine ökologische Nährstoffversorgung.
Konflikt zwischen Naturschutz und Bewirtschaftung
Die Wiesen, auf denen wir hier sitzen, sind zu einem Konfliktfeld verschiedener Naturschutz- und Fördervorgaben geworden. Wir bewirtschaften sie ökologisch: Pflanzen wie die Ochsenzunge werden nicht gespritzt, sondern von Hand entfernt. Die Weideflächen werden regelmäßig gewechselt, und die Kühe gehen zunächst über junge Grasbestände. Auch können wegen der Wechselbeweidung die Kuhfladen liegen bleiben und wir müssen die Tiere nicht routinemäßig gegen Würmer behandeln. Dadurch können sich darin zahlreiche Organismen entwickeln, die zur Zersetzung beitragen.
So haben sich auf den Wiesen acht sogenannte Kennarten entwickelt, die als Indikatoren für artenreiches Grünland gelten. Genau diese Vielfalt wird nun zum Problem. Nach den geltenden Vorgaben dürfen bestimmte Flächen erst ab dem 1. September genutzt werden und müssten anschließend per Hand gemäht und beräumt werden. Das verursacht erheblichen Aufwand und ist aus ökologischer Sicht fragwürdig.
Ab dem 1. September wäre eine maschinelle Bearbeitung erlaubt. Dabei könnten Insekten und Amphibien getötet werden. Die Kühe dürften jedoch nicht auf die Weide – obwohl gerade die Beweidung die hohe Artenvielfalt hervorgebracht hat. Würden wir die vorgeschriebenen Maßnahmen umsetzen, könnte die Zahl der Kennarten innerhalb weniger Jahre von acht auf drei zurückgehen.
Das Dresdner Umweltamt erkennt die Fläche nach meiner Einschätzung als Hotspot der Biodiversität an. Es handelt sich um eine artenreiche Kulturlandschaft, nicht um eine unberührte Naturlandschaft. Gerade Streuobstwiesen können in solchen Landschaften besonders wertvoll sein; in der Umgebung leben unter anderem Steinkäuze.
Wir haben gegen die derzeitige Einstufung Widerspruch eingelegt und warten auf einen Termin mit dem zuständigen Amt. Eine benachbarte Wiese war 25 Jahre lang Teil einer geförderten Naturschutzmaßnahme. Heute gehört sie zu den artenärmsten Flächen der Umgebung. Auf unseren Wiesen haben sich dagegen acht Kennarten entwickelt – durch eine Bewirtschaftung, die nun eingeschränkt werden soll.
Ein notwendiger Wandel
Die Agrarförderung ist voller Vorschriften und Dokumentationspflichten. In den 1990er-Jahren war es aus meiner Sicht leichter, ökologisch zu wirtschaften. Heute verbringen wir viele Tage mit Nachweisen, obwohl sich dadurch an den tatsächlichen Nährstoffverhältnissen kaum etwas ändert.
Unser Betrieb kann technisch nicht überdüngen. Im Gegenteil: Wir haben eher mit einer Unterversorgung zu kämpfen. Trotzdem wurden wir wegen erhöhter Stickstoffwerte im Zschoner Bach in ein sogenanntes rotes Gebiet eingestuft. Seitdem müssen wir zusätzliche Proben nehmen und umfangreiche Dokumentationen führen. Diese Arbeit kostet Zeit und Geld, ohne dass sich dadurch die Situation sichtbar verbessert.
Das gefährdet auch die wirtschaftliche Entwicklung der Marke Podemus, die Regionalität und Biodiversität stärken möchte. Naturschutz funktioniert nicht allein über einzelne Maßnahmen. Entscheidend sind auch die Strukturen der Landschaft: Wenn Felder mehrere Kilometer groß sind, können sich viele lokale Populationen nicht halten. Eine Begrenzung der Bewirtschaftungsgrößen und eine stärkere Unterteilung der Flächen könnten für den Insekten- und Artenschutz deutlich mehr bewirken.
Landwirtschaft ist ein Traumberuf, leider aber häufig auch Selbstausbeutung. Viele Betriebe kämpfen ums Überleben, während die politischen Rahmenbedingungen ihre Arbeit zunehmend erschweren. Die Förderung sollte deshalb nicht pauschal Fläche belohnen, sondern gute landwirtschaftliche und ökologische Leistungen.
Origins and Training
I wasn’t a particularly good student at school. During my agricultural training, however, I became the top apprentice in the state—though the competition at the time was limited. My favorite subject during training was cattle husbandry; I was also interested in civics. I found cattle more fascinating than pigs because the interactions within cattle systems are more complex. By comparison, pig farming seemed less demanding when it essentially boils down to fattening.
I completed a classic agricultural apprenticeship, and I believe that remains important even for organic farmers. Anyone farming organically should master the same practical foundations as a conventional farmer. Many organic farms fail not because of their ideals, but because of a lack of hands-on skill.
It’s also essential to understand how conventional colleagues work and the problems they face. If you can’t put yourself in their situation, you remain an outsider—both professionally and socially.
Conventional and Organic Farming
Conventional arable farming often follows recurring routines. If you grow rapeseed, wheat, and barley according to a fixed pattern, you can standardize many decisions and seek advice on crop protection. This certainly requires discipline, good work organization, and precise timing. Agronomically, however, it is less complex because the processes are largely predictable.
Organic farming works differently. Thistles or couch grass can’t simply be eliminated with a product; they must be strategically suppressed through crop rotation and management. If you want a couch-grass-free field, you often have to make the right decisions several years in advance. Not everything can be controlled: plants follow their own biological laws and strive to spread and reproduce.
Many farmers moved into organic farming out of professional interest. They were looking for a more challenging task and engage intensively with the interconnections. These farms are often more successful and satisfied in the long term. It becomes harder when someone converts only because there’s no money for fertilizer. Even in organic farming, nutrients like lime and potash must be balanced in a targeted way.
Criticism of Crop Protection and Genetic Engineering
The debate over genetically modified crops mainly concerns countries like Canada. In rapeseed, resistance to certain herbicides has developed there because related brassicas can crossbreed. As a result, some weeds can no longer be adequately controlled with the products previously used.
The use of crop-protection chemicals outside Europe is also problematic. Substances banned in Europe continue to be used, for example, in Brazil, even though the health consequences for local people are sometimes severe. Through imported feed such as soy, the impacts of our consumption indirectly return to Europe.
Conversion to Organic Farming
In Saxony, conversion to organic agriculture is now supported with premiums and advisory services. That is fundamentally welcome, but it needs to be viewed in a differentiated way. During the conversion period, products often cannot yet be marketed as certified organic and therefore fetch lower prices. At the same time, production costs remain. Conversion must therefore be carefully planned so that the farm and the family can economically survive this transition.
Funding in Saxony is comparatively extensive. Whether advice is truly helpful, however, only becomes clear in practice. Some concepts are developed in cooperation with universities and are difficult to implement under real conditions. For example, cost estimates for the planned full enclosure of a pig barn, in my view, are not proportionate to the practical benefit. Advisory services should enable improvements, not just create additional paperwork and expenses.
Livestock Keeping and Disease Control
I also consider a fully enclosed pig barn problematic because it contradicts the goal of open agriculture. The background is concern that visitors might touch the pigs. From an animal-disease perspective, this is seen as a significant risk.
Of course, African swine fever is dangerous. A carcass can remain infectious even months later. Nevertheless, risks should be assessed in a differentiated manner. A hunting tourist who has previously been in Eastern Europe and brings pathogens on their shoe soles can pose a significantly higher risk than a family from the city visiting a farm.
The real problem also lies in the political and economic structures of pig production. Germany wants to be recognized as free of swine fever in order to continue exporting meat. To that end, rules are being created that increasingly restrict direct contact between humans and animals.
Subsidy Policy and Biodiversity
Agricultural subsidies should be more strongly aligned with a farm’s actual ecological performance and less with the area farmed. A large, rectangular, intensively managed field offers little habitat for hamsters, skylarks, or sparrows. By contrast, a shepherd who maintains species-rich dry grassland on the Swabian Alb through targeted grazing makes a considerable contribution to nature conservation.
A points-based system that rewards biodiversity, landscape management, and other agri-environmental services would therefore make sense. What should matter is not who owns the most land, but who creates the greatest societal and ecological benefit on their land. For the next EU funding period starting in 2027, corresponding reform considerations already exist. At the same time, the system should become significantly simpler.
Set-aside premiums also reveal weaknesses in current support. Those who own large areas can, under certain circumstances, earn more money over a longer period from set-aside than from production. That contradicts my understanding of the profession: agriculture should produce food and other goods that are of value to society.
A Local Example
In the region, my former apprentice Johann Franz now works independently and continues to run the farm organically. We regularly exchange ideas on technical matters. After training with us, he first worked on a conventional farm and experienced how little consideration was sometimes given to soil and nature. That experience reinforced his decision to choose organic farming.
I occasionally call him to discuss management. If I see something on his farm that could be done differently, I give him a hint. Whether he adopts it is his own decision, and he gathers his own experience.
Office Work and Daily Routine
I try to get about seven and a half hours of sleep. If I sleep only three or four hours several times a week, I stop functioning. Sitting in the office late at night also achieves little. Emails written late at night rarely lead to good results.
Even so, I now spend a large part of my working time in the office—around 80 percent. That is one of the contradictory aspects of the job. For me, farming remains a dream job because I receive immediate feedback on my work. When that positive outcome is missing, it weighs on me. Therefore, career development should not automatically mean moving into the office.
In many areas, agriculture is a form of self-exploitation—on both conventional and organic farms. Many earn barely more than minimum wage, while at the same time an increasing number of farms are giving up. The profession itself continues to attract people and can be fulfilling. Yet neither the farmers’ association nor politics adequately protect farms from economic pressure.
Farming Between Weather, Management, and Nature Conservation
I’m not an anthroposophist, but I occasionally consult the lunar calendar—looking at ascending and descending moon phases, for instance—when it comes to spreading slurry. In practice, however, we can rarely follow it. When conditions are right, you have to go out. Time is a decisive cost factor in agriculture.
Two weeks ago, the soil in the fields was unusually kneadable—so wet as we haven’t experienced in many years. On the first wheat fields where we wanted to spread manure, wheel tracks formed that are problematic according to the principles of good professional practice. Still, we face a dilemma: at some point, work has to begin. With heavy machinery, we can’t wait for every ideal moment. Especially when spreading slurry, the weight is considerable; on soil that is too wet, the equipment compacts and hardens the surface.
Changing Weather Conditions
I completed my training in 1996. Back then, conditions in agriculture were markedly different. Haymaking was often difficult because from May to late June, or even July, there were only a few suitable dry days. At the same time, the meadows grew so vigorously that we could hardly keep up with the first cut. The grass sometimes stood shoulder-high and resembled elephant grass.
In recent years, we have mainly used the areas as short-grass pasture and applied significantly more manure. The drier years have often made harvesting easier. My grandfather always said: “Dry years are the good years.” In the past, that was indeed true, because we could harvest the grain on time. In wet years, by contrast, the wheat visibly deteriorated well into September.
Harvest stress has also changed. When several dry days are forecast today, I no longer have to drive the combine harvester late into the night. In the past, the harvest was often a constant battle against the weather. Back then, the landscape was greener and more humid. For grain harvesting, however, you need dry weather.
Instead, there are other problems today: we need more field forage, but the meadows no longer reliably deliver three or four good cuts. Often the first cut is still high-yielding, while the second brings in very little. So work hasn’t necessarily become calmer—the stress has changed.
Agriculture in the GDR
Agriculture in the GDR was not exclusively negative. It is true that fields were managed on a large scale and many hedgerows were removed. At the same time, legumes were grown and manure was applied. Today, management is different: there are fewer and fewer cattle herds, and the share of legumes in Saxony has declined sharply. This makes an organic nutrient supply more difficult.
Conflict Between Nature Conservation and Management
The meadows where we are sitting have become a battleground of various nature-conservation and funding requirements. We manage them organically: plants like oxtongue are not sprayed but removed by hand. Pasture areas are rotated regularly, and the cows first graze young grass stands. Also, because of rotational grazing, cow pats can remain in place and we do not need to routinely deworm the animals. This allows numerous organisms that contribute to decomposition to develop in them.
As a result, eight so-called indicator species have established themselves on the meadows, regarded as indicators of species-rich grassland. Precisely this diversity is now becoming a problem. Under current regulations, certain areas may not be used before 1 September and would then have to be mowed and cleared by hand. This creates considerable effort and is ecologically questionable.
From 1 September onward, mechanical work would be permitted. In the process, insects and amphibians could be killed. However, cows would not be allowed onto the pasture—even though grazing is exactly what created the high biodiversity. If we implemented the prescribed measures, the number of indicator species could drop from eight to three within a few years.
In my assessment, the Dresden environmental authority recognizes the area as a biodiversity hotspot. It is a species-rich cultural landscape, not an untouched natural landscape. In such landscapes, traditional orchard meadows can be particularly valuable; in the surrounding area, little owls live, among other species.
We have lodged an objection to the current classification and are awaiting an appointment with the responsible authority. A neighboring meadow was part of a funded nature-conservation measure for 25 years. Today, it is one of the species-poor areas in the vicinity. On our meadows, by contrast, eight indicator species have developed—through management that is now to be restricted.
A Necessary Change
Agricultural subsidies are full of regulations and documentation requirements. In the 1990s, it was easier, in my view, to farm organically. Today we spend many days on documentation, even though this hardly changes the actual nutrient situation.
Our farm cannot technically over-fertilize. On the contrary: we tend to face under-supply. Nevertheless, because of elevated nitrogen levels in the Zschoner Valley, we were classified in a so-called “red zone.” Since then, we have to take additional samples and compile extensive documentation. This work costs time and money without visibly improving the situation.
This also endangers the economic development of the Podemus brand, which aims to strengthen regionality and biodiversity. Nature conservation does not work through individual measures alone. What also matters are landscape structures: if fields are several kilometers in size, many local populations cannot persist. Limiting management sizes and creating a finer subdivision of fields could do significantly more for insect and species protection.
Agriculture is a dream job, unfortunately often also self-exploitation. Many farms are fighting for survival, while political frameworks increasingly complicate their work. Subsidies should therefore not reward area across the board, but good agricultural and ecological performance.


























Victor Smolinski
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