Marocco

شكراً المغرب
Marocco an adventure

02.05.2014


Allen Reisenden lege ich ans Herz: Lernt Arabisch – es ist eine wunderschöne Sprache.


Auch wenn es nur ein paar Sätze sind – wie „Salam Alikoum“ (Friede sei mit dir), „Esmi …“ (Ich heiße …) oder „Ana men Almanya“ (Ich komme aus Deutschland) – sie helfen, Kontakt zur gastfreundlichen Bevölkerung aufzubauen und wertvolle Reisetipps zu bekommen. Marokko ist ein schönes Land – für Touristen auf jeden Fall. Ein Königreich im Nordwesten Afrikas, das flächenmäßig Deutschland übertrifft, aber mit rund 38 Millionen Menschen weniger als halb so viele Einwohner hat. Kurz gesagt: Städte voll, Land leer. Unsere Route verlief von Marrakesch über die ländliche Ostseite nach Fès und weiter bis nach Chefchaouen – einer Stadt im Norden Marokkos. Gefühle von Abenteuer begleiteten uns die gesamte Reise lang, nicht zuletzt dank meines besten Freundes Urs.

Als wir nachts in Marrakesch ankamen, wurden wir bereits mit vielen Eindrücken beschenkt. Die Luft war warm, die Palmen wiegten sich im roten Wüstenwind, und unser Taxi war ein deutscher Oldtimer mit Lederbänken. Wir fuhren durch die Altstadt, vorbei an verspielt verzierter Architektur mit buntem Mosaik, durch verwinkelte Gassen – ein lebendiges Zeugnis jahrtausendealter Kulturbegegnungen, von Künstlern und Handwerkern errichtet. Am nächsten Morgen fuhren wir von Marrakesch über die N8 Richtung Beni Mellal, weiter Richtung Meknès, und machten als erstes Etappenziel Halt in Fès, wo wir im Hostel Rainbow übernachteten.

Fès ist mit über einer Million Einwohnern eine der größten Städte Marokkos und größer als Marrakesch. Fès ist vor allem bekannt für seine historische Medina. Wer die Altstadt erkundet, sollte sich einen Stadtführer suchen oder zumindest einen Kompass dabeihaben – die hohen Mauern in den Gassen nehmen jede Orientierung. Ohne einen lokalen Guide hätten wir weder die faszinierenden Webstuhl-Kammern gefunden noch Zugang zur Chouara-Gerberei gehabt, die man sonst meist nur von den darüberliegenden Geschäften aus sieht. Drinnen zu stehen war trotz des beißenden Geruchs ein krasser Moment. Ich fühlte mich der Geschichte des Handwerks gegenübergestellt – und gleichzeitig merkte ich den Widerspruch des Tourismus: Oben auf den Terrassen drängten sich Besucher und blickten auf die hart arbeitenden Menschen hinab, während in den Läden überteuerte Lederwaren verkauft wurden, zum Teil aus Asien.

Nach dem Besuch der Gerberei fuhren wir weiter nordwärts über die N13, durch kleine Städte und Dörfer. Unsere Reise nach Norden wurde durch ständige kleine Polizeikontrollen unterbrochen. Die mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizei fragte immer nach dem Reiseziel. „Chefchaouen“, erwiderten wir, und als Reaktion kam immer dasselbe Grinsen: „Chefchaouen … Paradiso … Kiff kiff“, dazu eine Rauchbewegung mit den Fingern. Wir verneinten auf Arabisch und konnten weiterfahren.

War ich grün oder nicht grün genug hinter den Ohren, um zu verstehen, was der Polizist damit meinte? Ich wusste noch nicht, dass Chefchaouen auch als alte Hippie-Stadt bekannt ist. Dieses Unwissen löste sich nach unserer Ankunft sprichwörtlich in Rauch auf.

Chefchaouen ist eine wunderschöne Stadt mit magischen blauen Gassen. Nachts hatte ich das Gefühl, als würden sich die Wände bewegen. Obwohl die Stadt klein ist, gibt es viel zu entdecken: verwinkelte Gassen, steile Treppen, versteckte Ecken. Wer alte Autos mag, wird Chefchaouen lieben. In der Stadt gibt es noch gepflegte Oldtimer aus den 70ern zu bestaunen – mit über einer Million Kilometern auf dem Tacho. Alte Autos sind beliebter als die neueren Modelle, weil die Elektronik in den heutigen Fahrzeugen mit Absicht kompliziert ist.

Eine Wanderung zum Mount Kelâa verinnerlicht den Namen Chefchaouen, und spätestens auf dem Gipfel versteht man, warum die Stadt „Zwischen den Bergen“ heißt. Die Aussicht ist nicht weniger spektakulär als in anderen Berggebieten, aber wenn man zum Sonnenuntergang zurück in die Stadt kommt und der Muezzin über die Lautsprecher zu hören ist, fühlt man sich glücklich und zufrieden, irgendwie ganz bei sich – auch wenn man kein Wort versteht. Das Lebensgefühl in diesem Moment war einfach schön. Bereits nach 10 Tagen fuhren wir wieder zurück nach Marrakesch. Diesmal über die Autobahn, und wir erreichten in wenigen Stunden den Flughafen. Die Rückreise fühlte sich an, als würde man einen Film schnell rückwärts sehen, aber dabei trotzdem sentimental werden. Marokko – und die Menschen – leben und leben lassen. Das hat mich auf dieser Reise inspiriert. Eine Fahrt ins Unbekannte, eine Sprache dabei lernen (ohne Internet), historisches Erleben, das nichts mit Christentum zu tun hat, aber dennoch vom Kapitalismus angetrieben wird. Es ist vielleicht kein Abenteuer à la Hollywood – wer will das schon? –, aber es ist ein Abenteuer, das den Horizont erweitert. Und Marokko gibt dir genau dieses Gefühl, dieses Unbekannte, das entdeckt werden möchte.

شكراً – Shukran, Marokko


Even if it’s just a few sentences—like “Salam Alikoum” (Peace be with you), “Esmi…” (My name is…), or “Ana men Almanya” (I come from Germany)—they help you connect with the hospitable local people and get valuable travel tips. Morocco is a beautiful country—definitely for tourists. A kingdom in the northwest of Africa, larger than Germany in area, but with around 38 million people, less than half as many inhabitants. In short: cities crowded, countryside empty. Our route went from Marrakesh across the rural eastern side to Fès and on to Chefchaouen—a town in the north of Morocco. A sense of adventure accompanied us throughout the trip, not least thanks to my best friend Urs.

When we arrived in Marrakesh at night, we were already greeted by many impressions. The air was warm, the palms swayed in the red desert wind, and our taxi was a German old-timer with leather seats. We drove through the old town, past playfully decorated architecture with colorful mosaics, through winding alleys—a living testament to millennia of cultural encounters, built by artists and craftsmen. The next morning we drove from Marrakesh along the N8 toward Beni Mellal, then on toward Meknès, and made our first stop in Fès, where we stayed at the Rainbow Hostel.

With over a million inhabitants, Fès is one of Morocco’s largest cities and bigger than Marrakesh. Fès is best known for its historic medina. Anyone exploring the old town should get a local guide or at least carry a compass—the high walls in the alleys take away all sense of orientation. Without a local guide, we would never have found the fascinating weaving chambers or gained access to the Chouara tannery, which you otherwise usually only see from the shops above. Standing inside was an intense moment, despite the pungent smell. I felt confronted with the history of craftsmanship—and at the same time I noticed the contradiction of tourism: Up on the terraces, visitors crowded together, looking down at the hard-working people below, while overpriced leather goods, some from Asia, were sold in the shops.

After visiting the tannery, we continued north along the N13, through small towns and villages. Our journey north was repeatedly interrupted by small police checkpoints. The police, armed with submachine guns, always asked about our destination. “Chefchaouen,” we replied, and the reaction was always the same grin: “Chefchaouen… Paradiso… Kiff kiff,” accompanied by a smoking gesture with their fingers. We said no in Arabic and were allowed to continue.

Was I too green, or not green enough behind the ears, to understand what the policeman meant? I didn’t yet know that Chefchaouen is also known as an old hippie town. This ignorance literally went up in smoke after our arrival.

Chefchaouen is a beautiful town with magical blue alleys. At night I felt as if the walls were moving. Although the town is small, there is much to discover: winding alleys, steep stairs, hidden corners. If you like old cars, you’ll love Chefchaouen. In the town you can still admire well-kept old-timers from the 1970s—with over a million kilometers on the odometer. Old cars are more popular than newer models because the electronics in today’s vehicles are intentionally complicated.

A hike up Mount Kelâa makes the name Chefchaouen come alive, and at the summit at the latest you understand why the town is called “Between the Mountains.” The view is no less spectacular than in other mountain areas, but when you return to the town at sunset and hear the muezzin over the loudspeakers, you feel happy and content, somehow completely at peace with yourself—even if you don’t understand a word. The feeling of life in that moment was simply beautiful. After just 10 days, we drove back to Marrakesh. This time via the highway, and we reached the airport in a few hours. The return journey felt like watching a film quickly in reverse, yet still becoming sentimental. Morocco—and its people—live and let live. That inspired me on this trip. A journey into the unknown, learning a language along the way (without the internet), experiencing history that has nothing to do with Christianity but is still driven by capitalism. It may not be a Hollywood-style adventure—who wants that anyway?—but it is an adventure that broadens your horizons. And Morocco gives you exactly that feeling, that unknown that wants to be discovered.

شكراً – Shukran, Morocco.

DSC_1153_
DSC_0114_
DSC_0096_
Marakesch 003_
DSC_0115_
DSC_1160_
DSC_0113_
DSC_0160_
DSC_0157_
DSC_0200_
Fes 001_
DSC_0153_
Fes 003_
DSC_0201_
Fes 007-Bearbeitet_
DSC_0179_
DSC_0181_
DSC_0178_
Fes 008_
Marakesch 005_
Chefchauon HDR b_
DSC_0650_
DSC_0425_
DSC_1089_
Chefchauon 009-Verbessert-SR_
DSC_0570_
Chefchauon 010_
Chefchauon 006-Verbessert-SR_
Chefchauon 007_
DSC_0527_1-Bearbeitet-Verbessert-SR_
Chefchauon 012_
Chefchauon 019_
Chefchauon 025_
DSC_0642_
DSC_1165_


Victor Smolinski

Professional photography & film for people, teams, and organisations — portraits, events, and stories captured with clarity.

Back to

Contact


hello@victorsmolinski.de



https://www.instagram.com/victor.smolinski/


Prießnitzstraße 48, 01099 Dresden, State of Saxony in Germany

Copyright © 2010 All Right Reserved Victor Smolinski

Scroll to Top