
Tag2wo – Vortagsbäckerei & Kulturcafé
10.09.2023
Vortagsbäckerei & Kulturcafé in Dresden-Neustadt. Pepe und Lorenz führen seit 2023
einen Ort, an dem gerettete Backwaren, Segelkaffee, Musik und Gemeinschaft
zusammenkommen. Hier wird nicht weggeworfen, sondern weitergedacht.
From cultural storytelling to global sustainability initiatives. My clients have one commoDay-old bakery & cultural café in Dresden-Neustadt. Since 2023, Pepe and Lorenz have
been running a place where rescued baked goods, sailed coffee, music and community
come together. Here, nothing is thrown away – everything is rethought.
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Tag2wo – Wo Brot vom Vortag zur Bühne für Gemeinschaft wird
In der Dresdner Neustadt an der Ecke Kamenzer Straße und Bischofsweg liegt ein kleiner Laden, der von außen mystisch wirkt – ohne Ladenschild, ohne Werbung, nur Musik, Backwaren und Menschen. Wer eintritt, landet in einem Raum, der mehr ist als eine Bäckerei: Es ist ein Wohnzimmer, eine Bühne, ein Treffpunkt für alle, die nicht nur einkaufen, sondern teilhaben wollen. Seit Januar 2023 führen Pepe und Lorenz das Tag2wo – zwei Musiker, die aus dem Hangeln von Job zu Job den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben und dabei einen Ort geschaffen haben, der zeigt, wie Kreislaufwirtschaft, Kultur und soziales Miteinander zusammenwachsen können.
Eine Bäckerei mit Geschichte
Die Tag2wo-Bäckerei wurde 2012 von Manuela Schopf gegründet – mit der einfachen, aber radikalen Idee, Backwaren vom Vortag zu retten und zu fairen Preisen weiterzuverkaufen. Was damals als Antwort auf die Verschwendung hochwertiger Lebensmittel begann, hat sich über die Jahre zu einem festen Bestandteil der Neustadt entwickelt. Nach Manuela übernahm Jens Scheina – ein „Tausendsacher”, wie Pepe ihn nennt: zwei Höfe, eine Solarfirma, nebenbei für DHL unterwegs. Als Jens keine Zeit mehr fand, den Laden mit voller Energie zu führen, fragte er Pepe und Lorenz, ob sie sich vorstellen könnten, die Bäckerei zu übernehmen. Die beiden waren bereits als Mitarbeiter im Laden aktiv, gut vernetzt in der Dresdner Künstlerszene und hatten Lust, etwas zu gestalten. Seit Anfang 2023 sind sie die neuen Chefs – und haben den Laden zu einem Ort gemacht, an dem Hierarchien aufgelöst, Strukturen neu gefasst und Ideen willkommen sind.
Vom Vortag auf den Tisch – und dann weiter
Das Konzept ist simpel: Tag2wo verkauft ausschließlich Backwaren vom Vortag, eingekauft von kleinen, regionalen Handwerksbäckereien – keine Industrieware, viel davon nach ökologischen Standards produziert. Brötchen kosten maximal 50 Cent, Brot zwischen einem und zwei Euro. Dazu gibt es Segelkaffee aus Leipzig, der mit dem Segelboot über den Atlantik kam, und frisch aus der Siebträgermaschine für zwei Euro ausgeschenkt wird. „Wir bieten gefühlt den teuersten Kaffee in Dresden an”, sagt Pepe mit einem Lächeln, „aber trotzdem haben wir die Marge, dass wir auch Kunden mit kleinem Einkommen glücklich machen – und als Geschäft überleben können.”
Die Preisgestaltung ist bewusst so angelegt, dass kleine Rücklagen möglich sind, acht Mitarbeiter plus Miete bezahlt werden können – aber niemand reich wird. „Wir wollen die Gemeinschaft bereichern”, sagt Lorenz. Wer mal kein Geld dabeihat, bekommt trotzdem etwas – „wir finden immer eine Lösung”. So entsteht eine soziale Kreislaufwirtschaft, die nicht nur Lebensmittel rettet, sondern auch Menschen einbindet, die sonst oft außen vor bleiben.
Was am Ende des Tages übrig bleibt, wird nicht weggeworfen: Brot geht an Bauern für die Tierfütterung, Süßes wird an Menschen in Armut weitergegeben. Aus Altbrot entstehen Rumkugeln, Semmelbrösel, Backmischungen – die Ideen gehen nicht aus. „Wir überlegen jeden Tag, wie wir noch nachhaltiger werden können”, erzählt Pepe. In Dresden holen sie die Ware mit dem Fahrrad ab, aktuell bauen sie eine Rikscha um, um noch effizienter transportieren zu können.
Mehr als eine Bäckerei: Bühne, Wohnzimmer, Netzwerk
Was Tag2wo besonders macht, ist nicht nur das Brot. Es ist die Atmosphäre. Schon bevor Pepe und Lorenz die Bäckerei übernahmen, gab es eine Gitarre im Laden. Ihre erste Amtshandlung als neue Chefs: ein Klavier auf das Podest stellen. „Vier Leute, vier Ecken – und das Klavier in der Mitte”, beschreibt Lorenz den Moment. Seitdem ist Musik fester Bestandteil: Jeden Freitag gibt es Küfa (Küche für alle) um 18 Uhr, ab 19 Uhr Konzerte, Lesungen, Workshops. Wer ein Instrument spielen will, kann das jederzeit tun. Klavier, Trommeln, Gitarre – alles steht bereit für spontane Jam-Sessions.
Das Publikum ist gemischt: Künstlerinnen, Studierende, Menschen mit und ohne Wohnung, Familien, Seniorinnen. „Was mir bei anderen Cafés auffällt, sind die Blasen, die da abhängen”, sagt Pepe. „Bei uns ist das Publikum durchmischt – und das gefällt uns. Die Menschen tauschen sich aus.” Keine Werbung, kein Schild – und trotzdem kommen Woche für Woche drei bis vier Anfragen von Menschen, die hier arbeiten möchten. „Wir haben einen guten Ruf als Bäckerei und Arbeitgeber, weil man sich hier einbringen kann.”
Tag2wo ist auch Knotenpunkt für die Neustadt: Vernetzt mit der NAJU, mit Ronny Zenker vom Foodsharing, der Treberhilfe, dem Neustadt Art Kollektiv. Kleine Schritte, große Wirkung. „Allein haben wir nicht mal einen Führerschein”, lacht Lorenz. „Schon deswegen sind wir nachhaltiger – wir sind aufs Fahrrad angewiesen oder fragen Leute mit Auto. Da wären wir wieder beim Thema Carsharing.”
Herausforderungen: Wenn Großkonzerne Bäcker aufkaufen
So schön das Konzept klingt, so real sind auch die Widerstände. Pepe und Lorenz haben mit null Euro gestartet. Vorsteuer, Buchhaltungsfehler, Verbesserungen in der Küche, Ausbau der Hygienestandards – alles kostet. Rücklagen aufzubauen ist im ersten Jahr schwer, auch wenn die Kundschaft da ist. „Wir glauben, dass es bergauf geht”, sagt Pepe. „Aber es wäre schön, wenn nachhaltige Unternehmen besser gestützt würden.”
Besonders problematisch: Zwei Bäckereien, von denen Tag2wo bisher Ware bezogen hat, wurden von einem großen Unternehmen aufgekauft. Die neue Leitung verkauft die Reste nicht mehr weiter – „sie schmeißen sie lieber weg, wie uns mitgeteilt wurde”, erzählt Lorenz. Dadurch fehlt ein Teil des Angebots, was für die Kundschaft kritisch ist. Die Hintergründe bleiben unklar, aber die Botschaft ist deutlich: Wenn Konzerne kleine Strukturen schlucken, geht es selten um Nachhaltigkeit – sondern um Kontrolle.
Was bleibt
Tag2wo ist kein perfektes System, aber ein lebendiges. Es zeigt, dass Wirtschaften auch anders geht: mit Transparenz, flachen Hierarchien, fairen Preisen und echtem Gemeinschaftssinn. Wer hier einkauft, rettet Lebensmittel, unterstützt regionale Handwerksbetriebe, finanziert Kultur und gibt Menschen eine Chance, die sonst oft übersehen werden.
Pepe und Lorenz wissen nicht, wie lange sie bleiben. „Wir machen weiter, solange unsere Leidenschaft nicht ausgeht”, sagt Pepe. „Vielleicht sind wir Besucher in diesem Laden, geben unsere Ideen weiter und entwickeln das Geschäft. Was die Zukunft bringt, bleibt ungewiss. Wir leben im Hier und Jetzt.” Und vielleicht ist genau das die Botschaft: dass es Orte wie Tag2wo braucht – nicht als Blaupause, sondern als Experiment, als Einladung, als Beweis, dass eine andere Art des Zusammenlebens möglich ist.
Wer einmal dort war, nimmt nicht nur Brot mit – sondern auch die Frage: Was könnte entstehen, wenn mehr Menschen bereit wären, Verantwortung zu teilen, Strukturen neu zu denken und Gemeinschaft nicht als Kulisse, sondern als Kern zu verstehen?
Tag2wo – Vortagsbäckerei & Kulturcafé
Kamenzer Straße 42b, 01099 Dresden
Mo 17–21 Uhr | Di–Sa 11–18 Uhr | So 12–17 Uhr
Jeden Freitag: 18 Uhr Küfa, 19 Uhr Kulturprogramm
hallo@tag2wo.de | Instagram: @tag2wo
Tag2wo – Where Day‑Old Bread Becomes a Stage for Community
On the corner of Kamenzer Straße and Bischofsweg in Dresden’s Neustadt district sits a small shop that feels mysterious from the outside – no shop sign, no advertising, just music, baked goods and people. Step inside and you enter a space that is more than a bakery: it’s a living room, a stage, a meeting point for everyone who wants not just to shop, but to participate. Since January 2023, Pepe and Lorenz have been running Tag2wo – two musicians who leapt from job‑hopping into self‑employment and in the process created a place that shows how circular economy, culture and social togetherness can grow together.
A bakery with history
Tag2wo bakery was founded in 2012 by Manuela Schopf – with the simple but radical idea of rescuing day‑old baked goods and reselling them at fair prices. What began as a response to the waste of high‑quality food has evolved over the years into a fixed part of the Neustadt. After Manuela, Jens Scheina took over – a “jack of all trades”, as Pepe calls him: two farms, a solar company, on the side working for DHL. When Jens could no longer find the time to run the shop with full energy, he asked Pepe and Lorenz if they could imagine taking over the bakery. The two were already working as employees in the shop, well connected in Dresden’s arts scene and keen to shape something. Since early 2023 they have been the new bosses – and have turned the place into somewhere hierarchies are dissolved, structures are reimagined and ideas are welcome.
From yesterday to the table – and beyond
The concept is simple: Tag2wo sells exclusively day‑old baked goods, bought from small, regional artisan bakeries – no industrial products, much of it produced to ecological standards. Rolls cost a maximum of 50 cents, bread between one and two euros. There is also sailed coffee from Leipzig, which crossed the Atlantic by sailing boat and is freshly dispensed from the espresso machine for two euros. “We offer what feels like the most expensive coffee in Dresden,” says Pepe with a smile, “but we still have the margin to make customers with low incomes happy – and survive as a business.”
Pricing is deliberately designed so that small reserves are possible, eight employees plus rent can be paid – but nobody gets rich. “We want to enrich the community,” says Lorenz. If someone has no money with them, they still get something – “we always find a solution”. This creates a social circular economy that not only rescues food but also includes people who are often left out.
What is left at the end of the day is not thrown away: bread goes to farmers for animal feed, sweets are passed on to people in poverty. Stale bread becomes rum balls, breadcrumbs, baking mixes – the ideas never run out. “Every day we think about how we can become even more sustainable,” says Pepe. In Dresden they collect the goods by bicycle, and are currently converting a rickshaw to be able to transport even more efficiently.
More than a bakery: stage, living room, network
What makes Tag2wo special is not just the bread. It’s the atmosphere. Even before Pepe and Lorenz took over the bakery, there was a guitar in the shop. Their first act as new bosses: put a piano on the podium. “Four people, four corners – and the piano in the middle,” Lorenz describes the moment. Since then music has been an integral part: every Friday there is Küfa (kitchen for all) at 6pm, from 7pm concerts, readings, workshops. Anyone who wants to play an instrument can do so at any time. Piano, drums, guitar – everything is ready for spontaneous jam sessions.
The audience is mixed: artists, students, people with and without homes, families, seniors. “What I notice in other cafés are the bubbles that hang out there,” says Pepe. “With us the audience is mixed – and we like that. People exchange ideas.” No advertising, no sign – and yet week after week three or four requests arrive from people who want to work here. “We have a good reputation as a bakery and employer, because you can contribute here.”
Tag2wo is also a hub for the Neustadt: networked with NAJU, with Ronny Zenker from Foodsharing, Treberhilfe, the Neustadt Art Kollektiv. Small steps, big impact. “We don’t even have a driving licence between us,” laughs Lorenz. “That alone makes us more sustainable – we depend on bicycles or ask people with cars. Which brings us back to the topic of car‑sharing.”
Challenges: when big corporations buy up bakeries
As beautiful as the concept sounds, the obstacles are real too. Pepe and Lorenz started with zero euros. Advance tax, accounting errors, improvements in the kitchen, expansion of hygiene standards – everything costs. Building up reserves is difficult in the first year, even if customers are there. “We believe things will improve,” says Pepe. “But it would be nice if sustainable businesses were better supported.”
Particularly problematic: two bakeries from which Tag2wo had previously obtained goods were bought up by a large company. The new management no longer sells on the leftovers – “they prefer to throw them away, as we were told,” says Lorenz. As a result, part of the supply is missing, which is critical for customers. The background remains unclear, but the message is plain: when corporations swallow small structures, it is rarely about sustainability – it is about control.
What remains
Tag2wo is not a perfect system, but it is a living one. It shows that doing business can work differently: with transparency, flat hierarchies, fair prices and genuine community spirit. Anyone who shops here rescues food, supports regional artisan businesses, finances culture and gives people a chance who are otherwise often overlooked.
Pepe and Lorenz do not know how long they will stay. “We’ll keep going as long as our passion doesn’t run out,” says Pepe. “Perhaps we are visitors in this shop, passing on our ideas and developing the business. What the future brings remains uncertain. We live in the here and now.” And perhaps that is precisely the message: that places like Tag2wo are needed – not as a blueprint, but as an experiment, an invitation, proof that a different way of living together is possible.
Anyone who has been there once takes home not just bread – but also the question: what could emerge if more people were willing to share responsibility, rethink structures and understand community not as scenery, but as core?
Tag2wo – Day‑Old Bakery & Cultural Café
Kamenzer Straße 42b, 01099 Dresden
Mon 5–9pm | Tue–Sat 11am–6pm | Sun 12–5pm
Every Friday: 6pm Küfa, 7pm cultural programme
hallo@tag2wo.de | Instagram: @tag2wo
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Vortagsbäckerei & KulturcaféTag2wo
Öffnungszeiten: Mo 17 – 21 Di – Sa 11 – 18 So 12 – 17
Kamenzer Str. 42b 01099 Dresden







